Estland 2026 - Ostsee, Wälder und viel Entspannung in der Natur

Estland bietet neben dem hanseatisch-mittelalterlichen Tallinn, vor allem viel menschenleere Natur, naturbelassene Ostseestrände und Küstenwälder, atemberaubende Moorlandschaften und sogar Elche, Wölfe und Bären. Ingesamt fand ich dort in den Wäldern und Küsten eine Ruhe und Gelassenheit wie ich sie auf Reisen selten erlebt habe.

Das Land ist überschaubar und trotz ausgedehnter Waldgebiete gut ausgebaut. Am besten erkundet man Estland mit dem Mietwagen. Ähnlich wie in Island fährt es sich dort entspannt mit wenig Verkehr und entspannten Menschen.

Das Land bietet mehrere Nationalparks, wie bspw. der küstennahe Lahemaa, Soomaa im Landesinneren, Alutaguse im Osten oder Karula im Süden, die alle durch beeindruckende Moorlandschaften, Wälder und wilde Tiere geprägt sind. Alle Nationalparks sind weit ausgedehnte Landschaften. Man muss sich also etwas Zeit nehmen und vorher informieren wo man jeweils einsteigen bzw. was man sich anschauen möchte. Dagegen ist die kleine überschaubare Altstadt von Tallinn zwar in 1-2 Tagen besichtigt. Das mittelalterlich-hanseatische Flair ist aber ein absolutes muss jeder Estlandreise; ebenso wie die rauhen Küstenlinien mit vielen Klippen und Steilküsten sowie wilden und touristischen Ostseestränden, die meist von weitläufigen Küstenwäldern gesäumt sind. 

Ebenso gehört aber auch zur Wahrheit, dass der moderne Charme Tallinns auf dem Land schnell nachlässt. Neben beschaulichen Küstendörfern wirken größere Städte auf dem Land immer noch wie aus der Zeit gefallen mit Plattenbauten und tristem DDR-Flair.

Ein Wort noch zum Thema parken: außerhalb Tallinns ist das weniger ein Problem; kostenpflichtige Parkkplätze finden sich eher vereinzelt. Innerhalb der Stadt geht aber meist nichts ohne die Apps der jeweiligen Anbieter; europark oder die allgemeinere pargi.ee oder etwas einfacher: das bezahlen über die Telefonnrechnung per sms (beschrieben am jeweiligen Parkplatz).


Tallinn

Domberg von Tallinns Altstadt
Domberg von Tallinns Altstadt

Wenn Touristen von Tallinn erzählen, meinen sie meist die historische Altstadt, die mehr oder weniger vollständig von der alten Stadtmauer umgeben ist. Tallinn ist ansonsten zwar viel größer, nur sind die umliegenden Vororte nicht wirklich sehenswert.

 

Es macht daher am meisten Sinn sich dort oder in fußläufiger Nähe einzuquartieren.

 

Hotelempfehlung: Hotel Hestia Kentmanni: fußläufig zur Altstadt, ruhige Lage, vollwertiges Gym und schöner Spa-Bereich, Top-Frühstück!

 

Man kommt vom Flughafen schnell per Taxi und oder UBER in die Altstadt; es sind nur 4-5 km. 

Die Altstadt ist kleiner als es die Karte vermuten lässt, alles lässt sich fußläufig erkunden. Der mittelalterlich-hanseatische Charme der Stadt ist einfach unschlagbar! Um sich zu Beginn einen raschen Überblick zu verschaffen, bieten sich spontan 3 Möglichkeiten, die alle dicht beieinander liegen:

  • Auf dem Domberg, einem durch die Stadtmauer abgegrenzt erhöht liegenden Teil der Altstadt, finden sich die beiden Viewpoints Kohtuotsa und Patkuli (ein klein bischen schöner) nur 200m auseinander. Beide bieten einen schönen Blick über die Altstadt bis zur Ostsee.
  • Möchte man die gesamte Stadt inkl. Domberg und Hafen sehen, bietet sich der noch höher gelegene Kirchturm der Oleikirche an. Für 10 Euro Eintritt kann man anstrengende 270 enge Stufen bis nach oben überwinden und wird dort mit einen tollen Rundumblick belohnt. Aber Achtung: die Balustrade ist windig, sehr eng und; etwas Mut braucht es für den Weg auf den Kirchturm auf jeden Fall.
Altstadt von Tallinn vom Patkuli Aussichtspunkt
Altstadt von Tallinn vom Patkuli Aussichtspunkt

Auf dem Domberg befinden sich ebenfalls zwei weitere Highlights der Stadt: Das Schloss von Tallinn und die prächtige Uspenski-Kathedrale. Ähnlichkeiten zur gleichnamigen Kathedrale im Hafen von Helskini sind nicht zufällig: der gleiche Architekt war hier am Werk. 

Uspenski-Kathedrale auf dem Domberg
Uspenski-Kathedrale auf dem Domberg

Die weiteren Sehenswürdigkeiten der Altstadt sind natürlich der Marktplatz , die Stadtmauer (teilweise für 4 Euro begehbar), der mittelalterliche Katarinengang nahe einer Seitengasse der Marktplatzes und das Lehmtor, einem der Eingänge in die Stadt: 

Essen gehen ist in Tallinn, vor allem in der Altstadt, vergleichsweise teuer. Kostengünstige und aufregende Alternativen bieten bspw.

  • Viru foodhall in der Nähe des Lehmtores, dem südöstlichen Eingang zur Altstadt. Hier gibt es zu guten Preisen Speisen aus aller Herren Länder. Ein aufregendes kulinarisches Erlebnis!
  • Balti Jaama Turg hinter dem Bahnhof von Tallinn: hier gibt es neben Obste, Gemüse und allerlei anderen Waren auch zahlreiche günstige Essensstände. Eine Besichtigung lohnt in jedem Fall!

Ostseeküste westlich von Tallinn

Am ersten Tag fuhr ich einfach von Tallinn aus westlich die Küste entlang, natürlich hatte ich mir einige schöne Orte bereits rausgesucht. Kaum verlässt man die Stadt, wird der Verkehr ziemlich dünn und man fährt auf gut ausgebauten Straßen durch ausgedehnte Wälder entlang der Ostseeküste. 

Secret Beach

Der Secret Beach befindet sich nur ca. 25 km von Tallinn entfernt bei der Gemeinde Suurupi. Einschlägige Navigationsapps finden ihn schnell. Man muss allerdings irgendwo an der Straße parken und dann durch ein unscheinbares kleines Tor in ein Waldstück laufen. Es gibt keine Infrastruktur, denn es ist, wie der Name schon sagt, ein meist menschenleerer Strand mitten im Wald mit einem kleinen Wasserfall an dem man wunderbar Ruhe finden und in den umliegenden Wäldern wandern kann. Secret Beach hat mir von allen Stränden am besten gefallen; ein echter Geheimtip:

Vääna Beach

Vääna Beach befindet sich nur 5 km westlich von Suurupi/Secret Beach und ist komplett anders: weiße weitläufige Ostseestände, die zum wandern einladen mit touristischer Infrastruktur. Enspechend sind die Parkplätze dort auch kostenpflichtig. Im April war auch Vääna leer, aber im Sommer dürfte das deutlich anders aussehen:

Türisalu Cliff

Nur weitere 5 km auf der Hauptverkehrsstraße westwärts findet man ein schönes Cliff mit Blick auf Vääna und die Ostsee, direkt an einem Parkplatz der Hauptstraße. Sehr schön anzusehen, aber auch schnell erledigt:

Pakri Cliff

Von Vääna/Turisalu geht es weitere 40 km Richtung Westenbis an die Spitze der Pakri Halbinsel. Dort steht das Pakri-Lighthouse und ein kleiner Wanderweg mit (kostenlosem) Parkplatz um die Klippen zu erkunden. Die Kulisse ist sehr schön und in der Hauptsaison darf man auch gegen eine kleine Gebühr hoch auf den Leuchtturm:

Um ans Cliff zu kommen, fährt man durch den kleinen Ort Padliski. Wenn man mag kann man dort kurz innehalten. Man sieht eindrucksvoll den Kontrast zwischen Tallinn und den ländlichen Gebieten. Man spürt deutlich die alte Ostblocktristesse und dem modernen Charme Tallinns ist nicht mehr viel zu sehen:

Lahemaa Nationalpark östlich von Tallinn

Fährt man in östlicher Richtung an der Küste entlang aus Tallinn raus, so kommt man nach ca. 80 km nach Lahemaa. Lahemaa ist einer von mehrere Nationalparks im Land, die neben Tallinn die Hauptattraktionen des Landes sind. Lahemaa ist ca. 700 qkm groß und hat deshalb auch keinen expliziten Eingang. Es gibt ein Besucherzentrum im Örtchen Palmse, aber besser ist es, wenn man sich die Gebiete die man sehen möchte im Vorfeld raussucht und dann die dort eingerichteten Parkplätze ansteuert. Die Besichtigungen, Wanderungen etc. sind kostenfrei. Wer möchte und Zeit hat, kannauf halbem Wege zwischen Tallinn und Lahemaa auch den bekannten Jägala-Wasserfall mitnehmen.

Ich hatte mir zwei Eingänge bzw. Gebiete angeschaut:

Einmal das ausgedehnte Hochmoor Viru Rabu: Einfach zu finden,denn der Parkplatz liegt direkt an der Hauptverkehrsstraße E20 aus Richtung Tallinn kommend an der Abfahrt Kolga und ist nicht zu übersehen. Von dort aus startet nach einem kurzen Waldstück, der ca.5 kmlange Rundweg über Holzwege durch die farbenfrohe und beeindruckende Moorlandschaft. Einen Aussichtsturm wenige Minuten nach dem Einstieg gibt es auch. Hat man den Rundweg geschafft, geht es links durch einen schönen Wald zurück zum Parkplatz. Handy mit Navigation schadet nichts, weil die Wege durch den Wald manchmal schlecht erkennbar sind:

Die Käsmu Halbinsel mit Küstenwäldern und schönen Ostseeufern. Man nimmt die gleiche Ausfahrt die fürs Moor (E20-Kolga) und fährt ca. 30 km weiter durch den Wald ins kleine Dorf Käsmu. Dieses ist an sich schon schön anzuschauen und sehr übersichtlich mit einem Leuchtrum und einer schönen Kapelle. Man fährt die einzige Straße bis ganz an den Dorfrand durch bis der Wald beginnt. Dort befindet sich ein Parkplatz (leer im April; aber im Sommer soll es voller sein, deshalb empfielt ich eine frühe Anreise). Bereits nach einem kurzen Stück magischem Kiefernwald gelangt man an ein beeindruckendes Findlingsfeld in der Ostsee mit einer vorgelagerten Landzunge. Der weitere Wanderweg an der Küste durch den Wald kann, je nach Geschmack, kürzer zurück ins Dorf sein oder länger (ca. 15 km) um die gesamte Halbinsel herum.